Umwelttechnik als Industrie der Zukunft

Melanie Steinbeck,

Ifat meldet Rekordzahlen zum 60. Jubiläum

Die Botschaft dieser Messe ist eindeutig: Umwelttechnologien sind längst mehr als ein Spezialmarkt. Auf der Ifat Munich 2026 präsentiert sich eine Branche, die sich selbstbewusst als strategische Industrie der Zukunft versteht – wirtschaftlich, geopolitisch und gesellschaftlich.

Die Ifat Munich 2026 meldet Rekordzahlen mit 3.400 Ausstellern und 142.000 Besuchern. © Messe München

Zum 60. Jubiläum der Weltleitmesse kamen vom 4. bis 7. Mai rund 142.000 Besucher aus knapp 160 Ländern und Regionen nach München. Mit etwa 3.400 Ausstellern aus gut 60 Ländern erreichte die Messe neue Spitzenwerte. Auf 300.000 Quadratmetern zeigten Unternehmen Technologien für Wasserwirtschaft, Recycling und Circular Economy – und damit Lösungen für einige der drängendsten Probleme der Gegenwart.

Fragile Lieferketten, geopolitische Spannungen und die Sorge um Rohstoffabhängigkeiten verleihen der Branche zusätzlichen Rückenwind. Die Kreislaufwirtschaft erscheint dabei nicht mehr nur als ökologisches Projekt, sondern zunehmend als industriepolitische Notwendigkeit.

„Die nächste globale Schlüsselindustrie“

Stefan Rummel formuliert diesen Anspruch offensiv: „Die Rekordbeteiligung auf der Ifat Munich 2026 zeigt deutlich: Kreislauf- und Wasserwirtschaft hat Systemrelevanz und ist die nächste globale Schlüsselindustrie. Umso wichtiger ist die Ifat Munich als Plattform. Sie ermöglicht den entscheidenden Wissenstransfer und verschafft der Branche die nötige Sichtbarkeit, um gemeinsam mit der Politik in den Dialog zu kommen und die richtigen Weichen zu stellen.“

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Tatsächlich war die Messe auch in diesem Jahr ein politischer Treffpunkt. Neben deutschen Staatsministern und internationalen Delegationen besuchte auch Jessika Roswall die Veranstaltung. Carsten Schneider betonte die strategische Rolle der Branche: „Die Ifat ist die zentrale Plattform für dieses wichtige Thema. Hier können sich Unternehmen, Politik, Kommunen und Verbände vernetzen und koordinieren.“

Auch Dr. Johannes F. Kirchhoff sieht in der Transformation zur ressourceneffizienten Wirtschaft eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität. „Die Ifat Munich 2026 hat mit ihren Lösungen und Technologien eindrucksvoll gezeigt, wie sich dieser Wandel in der Praxis gestalten lässt – lösungsorientiert, sektorenübergreifend und global vernetzt.“

Circular Economy als Wachstumsmodell

Dass hinter der Circular Economy erhebliche wirtschaftliche Erwartungen stehen, zeigt eine Studie der Boston Consulting Group
im Auftrag des Bundesverband der Deutschen Industrie, die auf der Messe vorgestellt wurde.

Demnach könnte sich die zirkuläre Bruttowertschöpfung in Deutschland bis 2045 von derzeit 60 Milliarden auf bis zu 125 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Die zusätzliche Wertschöpfung könnte kumuliert bis zu 880 Milliarden Euro erreichen. Gleichzeitig könnten Recycling und Wiederverwendung künftig zwischen 20 und 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte ersetzen.

Die Zahlen zeigen, worum es inzwischen geht: Kreislaufwirtschaft wird nicht mehr nur unter Klimaschutzgesichtspunkten diskutiert, sondern als Instrument zur Sicherung industrieller Wertschöpfung.

Geschlossene Kreisläufe statt neue Abhängigkeiten

Entsprechend stark prägten Themen wie Ressourceneffizienz, geschlossene Stoffkreisläufe und resiliente Lieferketten die Messe.

Thomas Conzendorf, Vorstand von Remondis, sagt: „Die Ifat zeigt, dass wir in Deutschland in der Lage sind, eine weltführende Position in der Kreislaufwirtschaft nicht nur zu verteidigen, sondern sogar auszubauen. Denn die Ausstellerzahlen liegen mittlerweile höher als vor Corona. Wir arbeiten also in einer echten Zukunftsbranche. Das sollte uns allen Mut machen, zuversichtlich und positiv in die Zukunft zu schauen.“

Neben der Kreislaufwirtschaft rückte auch die Wasserinfrastruktur stärker in den Mittelpunkt. Extremwetter, Wassermangel und Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen erhöhen den Handlungsdruck. Gesucht werden Systeme, die widerstandsfähiger und flexibler werden.

„Die Ifat Munich 2026 hat erneut eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll sie als Weltleitmesse für den Austausch und die Weiterentwicklung zentraler Zukunftsthemen ist", erklärt Rainer Köhler, Vorstand Technologie der Huber SE. „Die Wasser- und Abwasserwirtschaft sowie die Abfall- und Recyclingbranche spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Kreislaufwirtschaft und Klimaresilienz nachhaltig zu stärken. Wasser, Energie, Umwelt und Klima gehören zu den drängendsten Aufgaben unserer Zeit – und genau hier setzt die Ifat wichtige Impulse.“

Internationale Branche trotz Krisen auf Wachstumskurs

Trotz Energiekrise und geopolitischer Konflikte blieb die Messe international geprägt. Mehr als die Hälfte der Aussteller und Besucher kamen aus dem Ausland. Zu den wichtigsten Ausstellernationen gehörten nach Deutschland Italien, China und die Niederlande.

Philipp Eisenmann, Exhibition Director der IFAT Munich, kommentiert dazu: „Im 60. Jubiläumsjahr zeigt sich nicht nur eindrucksvoll, wie stark die Ifat Munich international verankert ist, sondern sie verzeichnet Spitzenwerte und Effizienzgewinne für Besucher und Aussteller bei gekürzter Laufzeit. Umwelttechnologien sind, entgegen dem Trend in vielen anderen Branchen, ein relevanter Wachstumsmarkt – und die Ifat Munich ist seit sechs Jahrzehnten die zentrale Plattform dafür.“

Die nächste Ifat Munich 2028 findet vom 29. Mai bis 1. Juni 2028 in München statt.

Quelle: Messe München GmbH

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