Präventive Infektionsmedizin und Long-COVID-Forschung

Melanie Steinbeck,

Bayerisches Zentrum für präventive Infektionsmedizin eröffnet

Mit der offiziellen Eröffnung des Bayerischen Zentrums für präventive Infektionsmedizin (BZI) am 13. Mai in Würzburg stärkt Bayern seine Aktivitäten in Forschung, Prävention und Versorgung im Bereich der Infektionsmedizin. Das neue landesweite und standortübergreifende Zentrum wurde maßgeblich von der Universitätsmedizin Bayern e.V. vorangetrieben und vernetzt künftig alle bayerischen Universitäten mit medizinischer Fakultät, die Universitätsklinika des Freistaats sowie den öffentlichen Gesundheitsdienst. Gefördert wird das BZI durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst mit rund drei Millionen Euro jährlich.

Das BZI wurde am 13.05. in Würzburg eröffnet: Prof. Dr. Klaus Überla (Erlangen), Prof. Dr. Stefanie Kampmeier (Würzburg), Staatsminister Markus Blume, Prof. Dr. Oliver Kurzai (Würzburg) und und Prof. Dr. Uta Behrends (München), v.l.. © UKW / Rudi Merkl

Ziel des Zentrums ist es, Infektionsrisiken frühzeitig zu erkennen, Präventionsstrategien weiterzuentwickeln und wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Versorgung zu überführen. Im Fokus stehen dabei unter anderem die Impfstoffforschung, der Aufbau eines Frühwarnsystems für Krankheitserreger sowie die systematische Erfassung postinfektiöser Erkrankungen wie Long COVID.

Markus Blume betonte bei der Eröffnung die Bedeutung der Einrichtung vor dem Hintergrund aktueller und zukünftiger Herausforderungen: „Das BZI ist eine direkte Konsequenz aus den Erfahrungen der Pandemie – aber mit klarem Blick nach vorne: von neuen Erregern über Resistenzen bis hin zu postviralen Langzeitfolgen. Fakt ist: Infektionsrisiken verschwinden nicht. Die öffentlichen Aktionen von Betroffenen machen den Leidensdruck vieler Patientinnen und Patienten sichtbar. Umso wichtiger ist es, dass Bayern bei Prävention, Forschung und Früherkennung jetzt entschlossen handelt. Mit dem Bayerischen Long-COVID-Register wollen wir Forschung, Versorgung und Erkenntnisgewinn in diesem Bereich gezielt verbessern.“

Anzeige

Das BZI bündelt Kompetenzen aus Infektiologie, Mikrobiologie, Immunologie, Versorgungsforschung und Public Health. Die Arbeit des Zentrums konzentriert sich auf zwei eng miteinander verknüpfte Handlungsfelder: zum einen auf Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionen, zum anderen auf Früherkennung und Monitoring der Verbreitung hochrelevanter Krankheitserreger in Bevölkerung und Kliniken.

Das BZI gliedert sich in drei zentrale Programmbereiche:

  • Das Bayerische Surveillancezentrum (BaySurv) übernimmt die moderne und kontinuierliche Überwachung relevanter Erreger einschließlich molekularer Analytik und datenbasierter Auswertung.
  • Das Bayerische Vakzinezentrum (BayVak) widmet sich der Forschung zu Impfstoffen und Impfstrategien, klinischen Studien sowie der wissenschaftlich fundierten Kommunikation rund um das Thema Impfen.
  • Das Querschnittsprojekt Bayerisches Long-COVID-Register (BAY-LCR) dient der systematischen Erfassung und wissenschaftlichen Untersuchung postakuter Infektionssyndrome wie Long COVID.

Präsident des BZI ist Oliver Kurzai, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie an der Universität Würzburg. Er hob insbesondere die Bedeutung von Prävention und Vernetzung hervor: „Infektionen zu behandeln, wird aufgrund der zunehmenden Resistenzentwicklung immer schwerer, bei manchen Erregern gibt es gar keine gezielte Therapiemöglichkeit. Daher setzen wir im BZI auf Prävention und Vernetzung! Die gebündelte Expertise der Bayerischen Universitätsmedizin in engem Schulterschluss mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst bildet ein einzigartiges Netzwerk, um neue und gefährliche Erreger früh zu erkennen und wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.“

Schwerpunkt des BZI: Vakzinforschung

Ein zentraler Schwerpunkt des BZI liegt auf der Vakzinforschung. Klaus Überla, Direktor des Harald-zur-Hausen-Instituts für Virologie des Uniklinikums Erlangen und Sektionssprecher des Bayerischen Vakzinezentrums, erklärte: „Impfungen werden seit über 100 Jahren genutzt, um uns vor Infektionserkrankungen zu schützen. Mit dem Bayerischen Vakzinezentrum im BZI wollen wir einen Beitrag zur Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit zugelassener Impfstoffe und zur Entwicklung neuer Immunisierungsverfahren leisten. Wir wollen fachlich fundiert über Nutzen und mögliche Risiken von Impfungen informieren.“

Mit dem Bayerischen Surveillancezentrum soll zudem ein Frühwarnsystem zur Echtzeiterkennung von Ausbrüchen und Resistenzübertragungen aufgebaut werden. Verantwortlich für diesen Bereich ist Stefanie Kampmeier, Leiterin der Zentralen Einrichtung für Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am Universitätsklinikum Würzburg. Sie erläuterte: „Früherkennung von sich ausbreitenden Krankheitserregern ist ein zentraler Bestandteil der Infektionsprävention. Mit dem Bayerischen Surveillancezentrum (BaySurv) wird ein Frühwarnsystem zur Echtzeiterkennung von Ausbrüchen und Resistenzübertragungen geschaffen. Dadurch ermöglicht BaySurv eine kontinuierliche, repräsentative und zeitnahe Erfassung hochinfektiöser und multiresistenter Erreger, gezielte Infektionskontrollmaßnahmen und stärkt so die evidenzbasierte Pandemievorsorge in Bayern.“

Ein weiterer Fokus des BZI liegt auf der Erforschung von Langzeitfolgen nach Infektionen. Das Bayerische Long COVID-Register wird von Uta Behrends geleitet. Die Leiterin des Münchner Chronische Fatigue Centrum für Junge Menschen sagte: „Langzeitfolgen von Infektionen verursachen weltweit eine hohe Krankheitslast. Viele Betroffene habe eine reduzierte soziale Teilhabe und Lebensqualität. Ziel des Bayerischen Long COVID-Registers (BAY-LCR) im BZI ist es, Long COVID und ähnliche postinfektiösen Erkrankungen in Bayern strukturiert zu erfassen, besser zu verstehen und auf diese Weise die Grundlage für eine verbesserte Versorgung zu schaffen.“

Auch Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät Würzburg, sieht im BZI eine wichtige Konsequenz aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie: „Eine wichtige Lehre der Corona-Pandemie war, dass die großen Stärken und Kompetenzen der Infektionsmedizin an den Medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika noch stärker vernetzt und gebündelt werden müssen. Mit dem BZI wurde jetzt dafür in Bayern eine Struktur in der Universitätsmedizin geschaffen, die Vorbildcharakter hat. Das BZI wird so dazu beitragen, neueste Erkenntnisse schnell in der Versorgung anzuwenden und damit den Infektionsschutz auszubauen.“

Die standortübergreifende Zusammenarbeit zwischen Forschung, klinischer Versorgung und öffentlichem Gesundheitsdienst wird durch eine Geschäftsstelle in Würzburg koordiniert. Zusätzlich entsteht am Uniklinikum Erlangen eine Außenstelle, die die Koordination des Bayerischen Vakzinezentrums übernimmt.

Quelle: Universitätsklinikum Würzburg

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren